Archiv der Kategorie ‘Werthaltung‘

Am Zaun des Schrebergartens

Sonntag, den 6. Dezember 2009
Menschen haben einen Hang zur Gestaltung. Manch einer gestaltet seine Wohnung, andere die Freizeit. Die grösste Faszination der Gestaltung bilden die Schrebergärten. In dieser Beschäftigung geben sich Menschen nicht nur ihrem Instinkt hin, sondern es erfordert Intellekt und Intuition zugleich. Es ist die Hingabe an die Freiheit, etwas so zu gestalten, wie man es gern haben möchte – ohne Konventionen, ohne Fremdbestimmung.
Der Schrebergarten als Sinnbild für den Selbstentwurf. Was nun der Schrebergarten mit einem Selbstentwurf zur höchsten persönlichen Entwicklung zu tun hat?
Folgende Parallelen sollen als Denkanstoss zum eigenen Selbstentwurf dienen:
Mit der Gestaltung eines Schrebergartens gibt sich der Mensch der Gestaltung eines ihm zugehörenden oder zugeteilten Stück Erde hin. Was gibt es Bedeutungsvolleres als die Pflege der Erde, auf der man sein darf?
So wie der Mensch mit der Erde umgeht, so geht er mit seinem Boden, sprich seinen Werten um.
Der eine pflanzt Gemüse an, der andere Blumen. Beides darf sein. Sei es der Aspekt, sich selbst zu versorgen oder sich und anderen eine Freude zu bereiten. Wichtig an der Arbeit des Pflanzens und Pflegens ist die Kontemplation. Der Mensch verbringt eine Zeit in seinem Leben damit, sich Gedanken zu machen, was er pflanzen soll, wann das zu geschehen hat, wie er es pflegen wird. Die Pflege des Saatguts ist immer wieder eine Herausforderung, denn niemand weiss, ob die äusseren Einflüsse und Bedingungen förderlich oder hinderlich sein werden. Die Freude und die innere Dankbarkeit mit sich selbst ist gross, wenn die Ernte steht. 
Gelingt die Saat in diesem Jahr, wagt der Mensch etwas mehr. Er wächst persönlich an der Herausforderung und trägt die Ernte seines Gelingens mit Stolz und innerer Erfüllung.
In dieser Arbeit geht der Mensch mit sich selber um. Er folgt seiner inneren Bestimmung, seinen inneren Einstellungen und Werten. Erzählt der Besitzer des Schrebergartens davon, wie er seinen Garten bestellt, dann erzählt er aus seinem Leben. Er begegnet Unwägbarkeiten und meistert diese. Er macht Pläne und setzt diese um. Er gestaltet und pflegt seine Ideen, damit sie wachsen und gedeihen. Er entscheidet und wählt aus. Er lebt mit, für, in und dank seiner Freiheit, seinen Willen ohne Fremdbestimmung umsetzen zu können. 
Die Gestaltung des Gartens ist die Gestaltung des eigenen Lebens.
Dann ist da noch der Bereich um den eigentlichen Garten herum. Der Bereich, der dem Menschen gewidmet ist. Darauf steht eine Kammer in Form eines Hauses, meist eine Bank oder mehrere Stühle. In der Kammer stehen Werkzeuge und Ressourcen, die die gärtnerischen Fähigkeiten des Menschen unterstützen. Damit macht der Mensch seine Ziele wahr. Bänke und Stühle dienen der Kontemplation oder der Geselligkeit; je nachdem wie dem Menschen der Sinn steht. Auch diesem Bereich widmet der Mensch viel Aufmerksamkeit. Es ist der Garten um den Garten. Es ist das Umfeld, aus dem der Mensch sich und seine Ergebnisse betrachten, dankbar sein, sich selber zurücknehmen und neue Pläne schmieden kann. 
Wer sein Umfeld erkennt, kann Abstand nehmen und sich selber betrachten.
Die Grenzen des Schrebergartens sind meist durch Zäune oder natürliche Abschlüsse erkennbar. Die Zugehörigkeit bzw. die Hoheit des Gartens wird durch eine gehisste Fahne bezeichnet. Hier ist der Mensch König. Auf diesem begrenzten Raum gelten seine Regeln der Gestaltung und des Seins. Wer eintreten will, muss um Einlass bitten oder er wird eingeladen. Diese Souveränität und Integrität ist anzuerkennen. 
Im Selbstentwurf gelten Grenzen, die den anderen erkennbar gemacht und von ihnen anerkannt werden. Diese Grenzen gelten auch für den Menschen im Selbstentwurf und dienen ihm, seine Ressourcen in seinem Rahmen der Möglichkeiten einzusetzen. 
Wer seine Ressourcen seinen Möglichkeiten entsprechend einsetzt, erreicht im Selbstentwurf mehr sichtbare und wahrnehmbare Ergebnisse.
Von oben betrachtet erkennt der Beobachter, dass ein friedliches Zusammensein zwischen vielen Nationalitäten bestehen kann. Noch mehr: Freundschaften und Bindungen entstehen und wachsen, Nachbarn helfen einander aus, beschützen einander ungeachtet dessen, was in den Nachrichten erzählt wird.
So wie der Mensch seine Nachbarn respektiert, so wird er selber respektiert. Nur Werte, die der Mensch vorlebt, können erwidert werden.
Schrebergärten erinnern mich ein Stück weit an das Land Utopia, in dem die Regeln für Menschen gemacht werden, die sich selber gestalten wollen. Ich stehe in meiner Tätigkeit als Coach und Supervisorin bei jedem Gespräch am Zaun eines solchen Gartens, bitte um Einlass, um die Beschaffenheit des Bodens zu erspüren, die Ideen und Visionen zu erkennen und die Ressourcen zu entdecken. Am Ende der Begleitung bewundere ich die Ergebnisse wieder vom Zaun aus.
Was gibt es also bedeutungsvolleres, weitreichenderes, herausfordernderes, selbstreflexiveres und vielschichtigeres als den Garten des persönlichen Selbstentwurfes?

Menschen haben einen Hang zur Gestaltung. Manch einer gestaltet seine Wohnung, andere die Freizeit. Die grösste Faszination der Gestaltung bilden die Schrebergärten. In dieser Beschäftigung geben sich Menschen nicht nur ihrem Instinkt hin, sondern es erfordert Intellekt und Intuition zugleich. Es ist die Hingabe an die Freiheit, etwas so zu gestalten, wie man es gern haben möchte – ohne Konventionen, ohne Fremdbestimmung.

Der Schrebergarten als Sinnbild für den Selbstentwurf. Was nun der Schrebergarten mit einem Selbstentwurf zur höchsten persönlichen Entwicklung zu tun hat?

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Die Bitterkeit der Selbstachtung

Samstag, den 20. Dezember 2008

Während einer Bildreise befand sich eine Klientin ihrem Spiegelbild gegenüber. Um sich zu stärken, trank sie aus einer grünen Phiole mit der Aufschrift Selbstachtung. Ein bitterer Geschmack durchdrang sie. Ihr ganzer Körper zog sich zusammen. Stunden nach unserer Sitzung erreichte mich ein SMS von ihr, dass die Bitterkeit noch anhalte. Sie habe in der heutigen Sitzung die Einsicht gehabt, dass Bewusstsein im Selbst nichts ist ohne Achtung vor dem Selbst. (weiterlesen…)

Wert erkennen, nicht schätzen!

Sonntag, den 9. November 2008

Wir reden von Anerkennung und gleichzeitig reden wir von Wertschätzung. Besser gesagt, wir übernehmen hier das Gedankengut von Abraham Harold Maslow (amerikanischer Psychologe und Mitgründer der humanistischen Psychologie, geb. 1. April 1908, gest. 8. Juni 1970). Mit seiner Bedürfnispyramide hat er unser Denken revolutioniert. Er setzt allerdings voraus, dass der Mensch das nächsthöhere Bedürfnis nicht decken kann, solange es nicht, das vorgängige befriedigt hat. Dies hat heute noch seine Berechtigung. 

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Schluchten schliessen

Samstag, den 13. September 2008

Das Alte lieben und das Neue leben.

Diese Worte begleiten mich seit ich die Biografie von Sir Peter (Alexander Baron von) Ustinov (Denker, Philosoph, Schauspieler, Autor und noch so vieles mehr. Doch für den Zeitraum vom 16. April 1921 bis zum 28. März 2004 war er vor allen Dingen Weltbürger.) gelesen habe. Was wollte er uns damit näher bringen? (weiterlesen…)

Die Regeln der Irritation

Sonntag, den 22. Juni 2008

Eingebettet in meinem Weltbild wähne ich mich in Sicherheit. Ich weiss, was mich erwartet, wie es mich erwartet und wie es zu enden hat. Alle meine Tassen scheinen im Schrank am genau richtigen Platz zu stehen, geordnet nach Wert, Alter, Nutzung, Grösse und Farben.   

Es würde mir nicht in den Sinn kommen, diese Ordnung zu stören. Diese Ordnung gibt mir die Gewissheit, dass ich den Regeln und Normen entspreche. Ja, was für ein gutes Gefühl, wenn alles in Ordnung ist. Ich kann mich abends beruhigt ins weiche Bett meiner Wahrheit legen, denn meine Tassen stehen in meinem Schrank nach meinen Regeln in meiner Ordnung.

Mitten in der Nacht reisst mich die Irritation aus meinen gerechten Schlaf. (weiterlesen…)

Wenn die Identität zur Variablen wird

Donnerstag, den 12. Juni 2008

Ich begebe mich in diesem Blog gleich auf ein Mienen besetztes, dünneisiges Feld. Schon seit langem schlummert in mir der Verdacht, dass das Kernstück der Persönlichkeit, die Identität, mehr ist als ein fixer Wert. Sie mutiert zur Variablen in der Gleichung, die Leben ergibt.

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Planbare Erwartungen

Samstag, den 26. April 2008

Es kommen Menschen, die bleiben. Es kommen Menschen, die dann wieder gehen. Es kommen Menschen, die bleiben, obwohl ich nicht will. Es kommen Menschen, die gehen, obwohl ich nicht will. 

So beschreibt sich das Leben als ein Flickwerk von Begegnungen mit Menschen. Im Moment der Begegnung setzt ein Mensch ein Zeichen, das der andere zu deuten vermag.

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Bilder, die leiten

Samstag, den 29. März 2008

Ich spreche hier nicht von Symbolen.

Ich spreche hier nicht von Visionen. 

Ich spreche hier nicht von Träumen. 

Ich spreche hier von Bildern, die ansprechen, ohne dass wir auf Anhieb wissen, welche Sprache sie sprechen. Das Bild in seiner Anmut, das tief in uns etwas zu bewegen vermag, dessen wahren Namen wir jedoch vergessen hatten. Das Bild, das etwas weckt, das wir schon vor langer Zeit in tiefen Schlummer entsandt haben. 

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Den Entwicklungsweg ausleuchten

Sonntag, den 24. Februar 2008

Stärken und Schwächen sind ein zentrales Thema im Berufsalltag. In unserer Leistungsgesellschaft bleibt es ein Muss, sich flexibel an möglichst viele Umstände anzupassen. Viele Fähigkeiten eignet sich der Mensch an, um im Wettbewerb mit anderen zu bestehen. Die ganze Welt steht dem lernenden Menschen offen. Je mehr er lernt, umso mehr Türen öffnen sich, umso grösser wird seine Welt.

Was spricht also dagegen, endlos viel zu lernen, um endlos viele Qualifikationen zu erlangen? (weiterlesen…)

Hinter dem Zweifel

Sonntag, den 10. Februar 2008

Die Hälfte unseres Lebens verbringen wir im Zweifel. Zweifel in Entscheidungen, in Beziehungen, in Handlungen, in Werten, in Gefühlen.

In der anderen Hälfte leben wir, fühlen wir, handeln wir, entscheiden wir.

Die Bewertung einer Handlung erfolgt jeweils danach; wenn wir das Ergebnis kennen. Extrahieren wir davon unsere persönliche Wertung, den Aspekt, ob es für uns richtig / gut oder falsch / schlecht ist, bleibt es ein Ereignis, (weiterlesen…)

Was ist persönlicher Erfolg?

Sonntag, den 20. Januar 2008

Was ist mein Erfolg? Ist mein Erfolg grösser als der der anderen? Lässt sich Erfolg an der Bewunderung anderer messen? Hat mein Erfolg Farben, eine Form oder sogar eine eigene Masseinheit?
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